Schusswaffen im Mainstreamkino (1)

Hippe Schusswaffen im Mainstreamkino im Wandel der Zeit (1)

 Die Siebziger (S&W Mod. 29 .44 Magnum)

 Da ich aus einer Familie komme, die eine gewisse Tradition sowohl in der Jagd, als auch im Schießsport hat, bin ich mit Schusswaffen aufgewachsen und im Umgang vertraut. Im Gegensatz zum deutschen, schusswaffenphoben Geist haben die Amerikaner einen (meiner Meinung nach wieder zu sehr) entspannten Umgang mit ihren “Guns”, was sich auch im amerikanischen Mainstreamkino widerspiegelt. Waffenhersteller unterstützen dort häufig Filme, um ihre Produkte zu platzieren. Besonders erfolgreich in dieser Marketingdisziplin erscheint mir im Moment vor allem die deutsche Firma “Heckler & Koch” aus Oberndorf und die Waffenschmiede “Glock” aus Österreich (dazu später mehr). In dieser Reihe betrachte ich die Trends bei Schusswaffen im Wandel der Zeit (ab den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts) und versuche diese kulturell und gesellschaftlich einzuordnen. Der erste Teil der Serie behandelt die 1970er Jahre und die damals wohl coolste Faustfeuerwaffe der Welt: der Smith & Wesson Revolver Model 29 im Kaliber .44 Magnum.

Der double- Action Revolver war Anfang der Siebziger Jahre eigentlich ein Auslaufmodel. Smith & Wesson stellte die Herstellung des großen und im Kaliber .44 Magnum eigentlich völlig überdimesionierten Models 29 Anfang der Siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts ein. Wenige Jahre später nahm S&W die Produktion aber, aufgrund extremer Nachfrage bei den Kunden wieder auf. Was war geschehen? Zwei Worte: “Dirty Harry”.

Der eigentlich tief reaktionäre (auf die Gegenkulturbewegung der späten Sechziger Jahre) Film entwickelt aufgrund seiner großartigen Regie (Don Siegel), der flirrenden Musik von Lalo Shifrin (Komponist des legendären Mission: Impossible Themas) und der stoischen Coolness von Clint Eastwood als Harry Callahan, einem Sog, dem man sich auch heute noch schwer entziehen kann. Dabei ist Harry aus heutiger Sicht ein Dinosaurier, ein Angehöriger einer ausgestorbenen Art (ein Thema das Eastwood in seinem eigenen Werk als Filmemacher häufig aufgriff z.B. in Dirty Harry 5 oder, vielleicht am genialsten, als gealterter Outlaw in “Unforgiven”) Vielleicht ist es auch dieser moderne Kontext, der den Film aus heutiger Sicht so gut hat altern lassen. Doch selbst in den frühen Siebzigern muss den Autoren des Films klar gewesen sein, wie sehr der Revolver mit seinem extrem langen Lauf eine Potenzmetapher für den super männlichen Harry ist. Vermutlich kaum je war eine Schusswaffe so sehr eine Schwanzverlängerung, wie Dirty Harrys S&W. Die Figur und die Waffe sind quasi ein Gegenentwurf zur Frauenbewegung, die in jener Zeit richtig Fahrt aufnahm ( wofür zum Beispiel die hinreissende Judy Maxwell alias Barbra Streisand in der postmodernen Screwball Comedy “What´s Up Doc” steht). Der Macho Eastwood mit seiner riesigen Schwanzprothese im albern überstarken Kaliber .44 Magnum, der damals (wie es im Opening von “Dirty Harry 2- Magnum Force” heißt) stärksten Handfeuerwaffe der Welt (korrekt müsste es Faustfeuerwaffe heißen, aber bei der Übersetzung von Handgun ins Deutsche ist diese Ungenauigkeit üblich und mittlerweile praktisch so in den Sprachgebrauch übergegangen). Der Film löste beim normalen, weißen, männlichen Waffenkäufer ein solches Verlangen nach der Waffe aus, das der eigentlich nicht mehr verfügbare Revolver Mitte der Siebziger wieder produziert wurde. Hier stellt sich das Konzept des Product Placements einer Schusswaffe noch umgekehrt dar. S&W haben den ersten Dirty Harry Film nicht unterstützt, die Waffe gab es nicht mehr oder nur noch als Auslaufmodel im Handel, erst die “Fans” brachten den Hersteller dazu den Revolver wieder zu produzieren.

Das Model 29 mit verlängertem Lauf im Kaliber .44 Magnum hatte dann noch einen weiteren ikonischen Auftritt in einem Kultfilm der Siebziger. Allerdings ist die Impotenz des Protagonisten (und die Waffe als Schwanzprothese) hier deutlicher, gebrochener und reflektierter dargestellt als in Don Siegels Law & Order Krimi: Die Figur des Travis Bickle (Robert DeNiro) in Martin Scorseses genialem “Taxi Driver” hält jene Waffe in der legendären “You talking to me?” Szene vor dem Spiegel und killt später einen Luden mit dem gewaltigen Revolver. Fortsetzung folgt…

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